moments Magazin 1-23

38 moments 1/2023 FOTOS: MARTIN ECKER, DEAGREEZ/ISTOCK/GETTY IMAGES PLUS E X P E R T E N Tipp Martin Ecker Psychiater www.nibelungenpraxis.at NACHGEFRAGT Was versteht man unter Körper-Dysmorphie? Es ist eine psychiatrische Erkrankung, die üblicherweise den somatoformen Störungen oder den Zwangserkrankungen zugeordnet wird. Dabei kommt es zu einer zwanghaften Beschäftigung mit dem eigenen Aussehen. Hervorzuheben ist eine krankhafte Fixierung auf einzelne Körperteile wie zum Beispiel das Gesicht, wobei Körpermerkmale stark übersteigert bis wahnhaft verzerrt wahrgenommen werden. Daraus ergeben sich Folgeprobleme wie Isolation, ein großes Schamgefühl, soziale Ängste, Depressionen bis hin zur Sucht. Welchen Einfluss haben die sozialen Medien? Instagram und Co. transportieren einfach komplett unrealistische Körperbilder. Das verändert die Wahrnehmung der User. Wie hoch stehen die Erfolgschancen bei einer professionellen Behandlung? Das kommt ganz auf den Schweregrad der Erkrankung und die Bereitschaft zur Behandlung an. Bei einer starken Störung ist es natürlich schwieriger. Bei den meisten funktioniert es aber gut. und junge Frauen leiden enorm unter den Schönheitsidealen, die durch Social Media entstehen“, so Ecker. Und Medizinerin Simone May fügt hinzu: „In meiner täglichen Erfahrung zeigt sich, dass immer mehr Patientinnen ganzheitlich mit sich und ihrem äußeren Erscheinungsbild unzufrieden sind. Aus ästhetischer Sicht ist dabei in vielen Fällen allerdings kein Handlungsbedarf erkennbar. Dieser Wunsch nach totaler Veränderung ist äußerst bedenklich.“ Kritische Stimmen. Kritisiert wird auch die fehlende Individualität der „Instagram Faces“. Durch die Filter werden die Gesichter in ein Schema gepresst, plötzlich sehen alle gleich aus. Wer aus der neuen Norm tanzt, wird ausgegrenzt. „Social Media vermittelt eine Pseudo-Individualität. Jeder soll anders sein, dennoch sollen alle gleich aussehen. Das ist ein kompletter Widerspruch, der kommuniziert wird. In Wirklichkeit ist es eine Gleichmacherei“, so der Grazer Psychiater. Wie man sich am besten aus dieser Blase befreien kann? Indem man den Konsum reduziert, keine Filter mehr verwendet und nur den Personen folgt, die einem ein positives Gefühl vermitteln. Erste Schritte. Ob Instagram- und Snapchat-Filter wirklich eine Dysmorphie auslösen können, ist noch nicht geklärt. Eine im US-Fachblatt „JAMA Facial Plastic Sugery“ erschienene Studie zeigt jedoch, dass es Zusammenhänge geben könnte. Fakt ist jedoch, dass Social Media und ein exzessiver Selfie-Wahn Störungen triggern und verstärken können. Insta- Mädchen und junge Frauen leiden sehr unter unerreichbaren Idealen. „SELFITIS“. Unter „Selfitis“ versteht man den Drang, ständig Selfies knipsen zu müssen.

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